Die Bibel (Menge)

Psalm

1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20 21 22 23 24 25 26 27 28 29 30 31 32 33 34 35 36 37 38 39 40 41 42 43 44 45 46 47 48 49 50 51 52 53 54 55 56 57 58 59 60 61 62 63 64 65 66 67 68 69 70 71 72

78:1 Ein Lehrgedicht von Asaph. Gib acht, mein Volk, auf meine Belehrung, leiht euer Ohr den Worten meines Mundes!

78:2 Ich will auftun meinen Mund zur Rede in Sprüchen, will Rätsel verkünden von der Vorzeit her.

78:3 Was wir gehört und erfahren und unsere Väter uns erzählt haben,

78:4 das wollen wir ihren Kindern nicht verschweigen, sondern dem künftgen Geschlecht verkünden die Ruhmestaten des HERRN und seine Stärke und die Wunder, die er getan hat.

78:5 Denn er hat ein Zeugnis aufgerichtet in Jakob und festgestellt in Israel ein Gesetz, von dem er unsern Vätern gebot, es ihren Kindern kundzutun,

78:6 auf daß die Nachwelt Kenntnis davon erhielte: die Kinder, die geboren würden, sollten aufstehn und ihren Kindern davon erzählen,

78:7 daß sie auf Gott ihr Vertrauen setzten und die Taten Gottes nicht vergäßen und seine Gebote befolgten,

78:8 daß sie nicht wie ihre Väter würden, ein trotziges und widerspenstiges Geschlecht, ein Geschlecht mit wankelmütigem Herzen, dessen Geist sich nicht zuverlässig zu Gott hielt.

78:9 Ephraims Söhne, bogengerüstete Schützen, haben den Rücken gewandt am Tage des Kampfes.

78:10 Sie hielten den gottgestifteten Bund nicht und wollten nicht wandeln in seinem Gesetz;

78:11 nein, sie vergaßen seine Taten und seine Wunder, die er sie hatte sehen lassen.

78:12 Vor ihren Vätern hatte er Wunder getan im Lande Ägypten, im Gefilde von Zoan.

78:13 Er spaltete das Meer und ließ sie hindurchziehn und türmte die Wasser auf wie einen Wall;

78:14 er leitete sie bei Tag durch die Wolke und während der ganzen Nacht durch Feuerschein;

78:15 er spaltete Felsen in der Wüste und tränkte sie reichlich wie mit Fluten;

78:16 Bäche ließ er aus dem Felsen hervorgehn und Wasser gleich Strömen niederfließen.

78:17 Dennoch fuhren sie fort, gegen ihn zu sündigen, und widerstrebten dem Höchsten in der Wüste;

78:18 ja, sie versuchten Gott in ihren Herzen, indem sie Speise verlangten für ihr Gelüst,

78:19 und redeten gegen Gott mit den Worten: »Kann Gott wohl einen Tisch in der Wüste uns decken?

78:20 Wohl hat er den Felsen geschlagen, daß Wasser flossen heraus und Bäche sich ergossen; doch wird er auch vermögen Brot zu geben oder Fleisch seinem Volke zu schaffen?«

78:21 Drum, als der HERR das hörte, ergrimmte er: Feuer entbrannte gegen Jakob, und Zorn stieg auf gegen Israel,

78:22 weil sie an Gott nicht glaubten und auf seine Hilfe nicht vertrauten.

78:23 Und doch gebot er den Wolken droben und tat die Türen des Himmels auf,

78:24 ließ Manna auf sie regnen zum Essen und gab ihnen himmlisches Brotkorn:

78:25 Engelspeise aßen sie allesamt, Reisekost sandte er ihnen zur Sättigung.

78:26 Hinfahren ließ er den Ostwind am Himmel und führte durch seine Kraft den Südwind herbei;

78:27 Fleisch ließ er auf sie regnen wie Staub und beschwingte Vögel wie Meeressand;

78:28 mitten in ihr Lager ließ er sie fallen, rings um ihre Wohnungen her.

78:29 Da aßen sie und wurden reichlich satt, und was sie gewünscht, gewährte er ihnen.

78:30 Noch hatten sie ihres Gelüsts sich nicht entschlagen, noch hatten sie ihre Speise in ihrem Munde,

78:31 da stieg der Ingrimm Gottes gegen sie auf und erwürgte die kräftigen Männer unter ihnen und streckte Israels junge Mannschaft zu Boden.

78:32 Trotz alledem sündigten sie weiter und glaubten nicht an seine Wunder.

78:33 Drum ließ er ihre Tage vergehn wie einen Hauch und ihre Jahre in angstvoller Hast.

78:34 Wenn er sie sterben ließ, dann fragten sie nach ihm und kehrten um und suchten Gott eifrig

78:35 und dachten daran, daß Gott ihr Fels sei und Gott, der Höchste, ihr Erlöser.

78:36 Doch sie heuchelten ihm mit ihrem Munde und belogen ihn mit ihrer Zunge;

78:37 denn ihr Herz hing nicht fest an ihm, und sie hielten nicht treu an seinem Bunde.

78:38 Doch er war barmherzig, vergab die Schuld und vertilgte sie nicht, nein, immer wieder hielt er seinen Zorn zurück und ließ nicht seinen ganzen Grimm erwachen;

78:39 denn er dachte daran, daß Fleisch sie waren, ein Windhauch, der hinfährt und nicht wiederkehrt.

78:40 Wie oft widerstrebten sie ihm in der Wüste, kränkten sie ihn in der Öde!

78:41 Und immer aufs neue versuchten sie Gott und betrübten den Heiligen Israels.

78:42 Sie dachten nicht mehr an seine starke Hand, an den Tag, wo er sie vom Bedränger erlöste,

78:43 als er seine Zeichen in Ägypten tat, seine Wunder im Gefilde von Zoan.

78:44 Er verwandelte dort in Blut ihre Ströme, so daß man ihr fließendes Wasser nicht trinken konnte;

78:45 er sandte unter sie Ungeziefer, das sie fraß, und Frösche, die ihnen Verderben brachten;

78:46 er gab ihre Ernte den Freßgrillen preis und die Frucht ihrer Arbeit den Heuschrecken;

78:47 er zerschlug ihre Reben mit Hagel, ihre Maulbeerfeigenbäume mit Schloßen;

78:48 er gab ihr Vieh dem Hagel preis und ihren Besitz den Blitzen;

78:49 er sandte gegen sie seines Zornes Glut, Wut und Grimm und Drangsal: eine Schar von Unglücksengeln;

78:50 er ließ seinem Ingrimm freien Lauf, entzog ihre Seele nicht dem Tode, überließ vielmehr ihr Leben der Pest;

78:51 er ließ alle Erstgeburt in Ägypten sterben, der Manneskraft Erstlinge in den Zelten Hams.

78:52 Dann ließ er sein Volk ausziehn wie Schafe und leitete sie in der Wüste wie eine Herde

78:53 und führte sie sicher, so daß sie nicht bangten; ihre Feinde aber bedeckte das Meer.

78:54 So brachte er sie nach seinem heiligen Gebiet, in das Bergland, das er mit seiner Rechten erworben,

78:55 und vertrieb vor ihnen her die Völker, verloste ihr Gebiet als erblichen Besitz und ließ in ihren Zelten die Stämme Israels wohnen.

78:56 Doch sie versuchten und reizten Gott, den Höchsten, und hielten sich nicht an seine Gebote,

78:57 sondern fielen ab und handelten treulos, ihren Vätern gleich; sie versagten wie ein trüglicher Bogen

78:58 und erbitterten ihn durch ihren Höhendienst und reizten ihn zum Eifer durch ihre Götzenbilder.

78:59 Als Gott es vernahm, ergrimmte er und verwarf Israel ganz und gar:

78:60 er gab seine Wohnung in Silo auf, das Zelt, das er aufgeschlagen unter den Menschen;

78:61 er ließ seine Macht in Gefangenschaft fallen und seine Zier in die Hand des Feindes;

78:62 er gab sein Volk dem Schwerte preis und war entrüstet über sein Erbteil;

78:63 seine jungen Männer fraß das Feuer, und seine Jungfraun blieben ohne Brautlied;

78:64 seine Priester fielen durchs Schwert, und seine Witwen konnten keine Totenklage halten.

78:65 Da erwachte der Allherr wie ein Schlafender, wie ein vom Wein übermannter Kriegsheld;

78:66 er schlug seine Feinde von hinten und gab sie ewiger Schande preis.

78:67 Auch verwarf er das Zelt Josephs und erwählte nicht den Stamm Ephraim,

78:68 sondern erwählte den Stamm Juda, den Berg Zion, den er liebgewonnen;

78:69 und er baute den ragenden Bergen gleich sein Heiligtum, fest wie die Erde, die er auf ewig gegründet.

78:70 Dann erwählte er David, seinen Knecht, den er wegnahm von den Hürden des Kleinviehs;

78:71 von den Mutterschafen holte er ihn, daß er Jakob weide, sein Volk, und Israel, seinen Erbbesitz.

78:72 Der weidete sie mit redlichem Herzen und leitete sie mit kundiger Hand.