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15:1 Und er gebot ihr (ohne Zweifel war es Mardochäus), zum König zu gehen und für ihr Volk und ihr Vaterland zu flehen.

15:2 Gedenke, sprach er, der Tage deiner Niedrigkeit, wie du unter meiner Hand aufgezogen worden bist; denn Aman, der Zweite nach dem König, verlangt unsern Tod.

15:3 Rufe daher den Herrn an und rede für uns mit dem König, und errette uns vom Tode.

15:4 Am dritten Tage aber legte sie die Kleider ihres Schmuckes ab und kleidete sich in ihre Herrlichkeit.

15:5 Und als sie im königlichen Gewande strahlte und Gott, den Lenker und Retter aller, angerufen hatte, nahm sie zwei Mägde mit.

15:6 Und auf die eine stützte sie sich, als ob sie vor Zartheit und übermäßiger Weichheit des Leibes getragen werden müßte.

15:7 Die andere Magd aber folgte ihrer Herrin nach und hob die zu Boden fließenden Gewänder auf.

15:8 Sie selbst aber, das Antlitz mit Röte übergossen und mit anmutigen und strahlenden Augen, verbarg ihre traurige und allzu bewegte Seele.

15:9 Nachdem sie nun der Reihe nach alle Türen durchschritten hatte, stand sie vor dem König, wo er auf seinem königlichen Throne saß, mit königlichen Gewändern bekleidet, in Gold strahlend und mit kostbaren Edelsteinen geschmückt.

15:10 Als er sein Angesicht erhob und mit glühenden Augen die Leidenschaft seiner Brust verriet, sank die Königin nieder, und ihr Antlitz wandelte sich zur Blässe, und sie lehnte mit ermüdetem Haupte an der Magd.

15:11 Und Gott wandelte den Sinn des Königs zur Sanftmut, und eilends und erschrocken sprang er vom Throne und stützte sie mit seinen Armen, bis sie wieder zu sich kam, und beschwichtigte sie mit diesen Worten:

15:12 Was ist dir, Esther? Ich bin dein Bruder; fürchte dich nicht.

15:13 Du wirst nicht sterben; denn nicht für dich, sondern für alle ist dieses Gesetz erlassen.

15:14 Tritt also herzu und berühre das Zepter.

15:15 Und als sie schwieg, nahm er die goldene Rute und legte sie auf ihren Hals und küßte sie.

15:16 Sie antwortete: Ich sah dich, Herr, wie einen Engel Gottes, und mein Herz war bestürzt vor Furcht ob deiner Herrlichkeit.

15:17 Denn du bist überaus wunderbar, Herr, und dein Antlitz ist voll Anmut.

15:18 Und während sie redete, sank sie abermals nieder und war nahe daran, die Besinnung zu verlieren.

15:19 Der König aber war bestürzt, und alle seine Diener trösteten sie.